Ging es ihr besser nach dem Gespräch? Nein. Verstand sie ihn? Ein wenig. Er hatte mit vielem recht und doch fühlte es sich verkehrt an. Wieso konnten zwei Menschen sich nicht einfach lieben? Wieso musste so ein Chaos daraus entstehen?
Skye hatte die Kings an diesem Abend hochgeholt, um nicht mit ihren Gedanken alleine zu sein. Vorher hatten die Mädels besprochen, dass Taehyung und Jongin nicht angesprochen wurden und so quatschten sie über die Halloweenparty und über das Training. Sie hatten wohl einen Song geschrieben und natürlich hatte Skye ihn hören wollen. Sie machten das gut, es war vielleicht kein Hit, aber es ging darum, dass sie selbstbewusster wurden und Übung bekamen.
„Übrigens, der Colonel hat gemeint, dass wir nächste Woche in das neue Dorm ziehen“, erzählte London.
„Oh, schon? Aber … freut ihr euch?“ Skye wusste, dass sie sich etwas zurückgezogen hatte, aber auch nur, weil sie wollte, dass die anderen verstanden, dass sie wirklich kein Teil der Band mehr war und es tat auch etwas weh. Sie hatte alle wirklich gerne, aber sie konnte nicht sagen, dass sie nicht bei der Band mitmachen würde und andererseits hing sie ständig bei ihnen.
„Ja, also, hier ist es wunderschön, aber in der Stadt ist es wohl etwas praktischer“, meinte Blake – das hatte Skye am Anfang als Ausrede für das Dorm benutzt und sie erinnerte sich daran.
„Ja und wenn es jetzt kalt wird, ist es besser, wenn wir nur um die Ecke von G-Next sind“, meinte Ara. „Wer weiß, ob hier geräumt wird.“
„Oh, das werden sie besser, ansonsten lernen die mich kennen!“, meinte Skye und die anderen fingen an zu lachen.
„Wirklich Skye, wir haben hier super gerne gewohnt. Vielleicht können wir ja im Sommer wieder einziehen, wenn wir den See und den Pool benutzen können“, schlug Mi Cha vor.
„Was macht der Pool eigentlich?“, erkundigte sich Honey.
„Ehm … ich war lange nicht mehr unten – kommt, wir schauen mal.“
Als sie mit Jungkook sich selbst im Pool eingeschlossen hatten, wie in einer Fallgrube, war er zumindest gefliest gewesen. Inzwischen sollten die Arbeiten rund um den Pool abgeschlossen sein. Leitungen mussten gelegt werden und die Wände waren gedämmt und verkleidet worden. Oben in die Decke waren Lichter gekommen und rund um den Pool waren Fliesen gelegt worden. Wenn sie den Zeitplan im Kopf hatte, fehlte nur noch Wasser.
Die Mädels zogen los, in der finsteren Nacht, doch die Hauptwege waren beleuchtet und tatsächlich hatte Skye ihr Grundstück noch nie als gruselig empfunden, auch wenn sie normalerweise kein Freund von Nächten im Wald war. Aber ihr Wald war eingezäunt. Es war schade, dass das Haus so spät fertig geworden war, den nächsten Sommer würde sie hier voll ausnutzen.
Das Tor der Scheune war inzwischen mit einem Pin verschlossen, nicht, dass sich dort jemand einnistete. Und es ließ sich leichter öffnen, doch diesmal wählte Skye den Seiteneingang. Das Tor war super im Sommer, wenn man es ganz öffnete und die Scheune fast ganz offen war, doch im Winter, wenn hier geheizt wurde, war die Seitentür besser. Sie fühlte nach dem Schalter an der Wand und alles wurde hell.
„Wooaaaaaaah“, ging es durch die Reihe der Mädels. Im September hätten sie hier noch einen Horrorfilm drehen können, doch jetzt war es eine schöne Landhaus-Scheune … mit Pool. In das Dach hatte man Fenster eingebaut, um mehr Licht reinzulassen und die Beleuchtung ließ sich über ein Pad steuern. Unter der schmalen Seite der Galerie waren Liegen aufgestellt worden und oben auf der Galerie gab es einen Sprungturm. Die Galerie ging an der breiten Seite bis zur Hälfte vom Pool und hier konnte man reinspringen, denn mit fünf Meter Tiefe war das kein Problem. Nur das Wasser fehlte.
„Du erschaffst dir hier so ein Paradise“, kam es von Kendra.
„Ja, dieser Ort ist wahrscheinlich der Grund, wieso ich nicht geflüchtet bin.“
Bei all dem, was die letzten zwei Wochen passiert war, wäre es einfach gewesen abzuhauen. Skye wusste, dass sie vor Problemen nicht davonlaufen konnte – doch man konnte sie aufschieben. Aber das hier, hier in Hanam, war Zuhause. Fast schon so viel Zuhause wie Fiji. Sie richtete sich hier für lange Zeit ein, für die Zukunft. Es war kein Durchgangsort, den man für eine gewisse Zeit nutzte und dann wieder aufgab. Sie konnte sich hier in 10 Jahren noch sehen. Sie versuchte zu entscheiden, mit welchem Mann sie sich hier in 10 Jahren sah, mit Jongin oder mit Taehyung? Vielleicht sogar mit Siwon. Skye würde ihn nicht aufgeben, nur weil jeder der Meinung war, dass sie nicht zusammenpassten. Wichtig war es doch, was hinter verschlossenen Türen passierte. Es konnte passieren, dass sie vibten. Vielleicht wäre es auch jemand ganz anders. Kurz musste sie an Jaejoong denken und grinsen. Natürlich war er … grrrr, aber eben nicht ihre Art von grrrr. Zumal Mia ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert hatte und Jaejoong erinnerte sie etwas an Heechul – nur mit dem Gesicht eines Engels. Mal abgesehen davon waren wohl Jaejoong und Leeteuk die Eltern von Taeyong. Den hatte sie auch lange nicht mehr gesehen …
Zur gleichen Zeit standen Jongin und Jungkook etwas irritiert im Kaminzimmer. Hier waren Gläser, Snacks und drei Katzen und Skyes Handy, aber sonst niemand.
„Die können sich doch nicht in Luft aufgelöst haben“, meinte Jungkook und lauschte.
„Vielleicht ist das Haus doch verflucht und ein Geist hat sie geholt.“
„Heb dir so Geschichten für die Party Morgen auf, irgendwo werden die schon sein.“
Das Grundstück war ja nur riesig.
„Meinst du wir sollten sie suchen?“, fragte Jongin.
„Nein, wenn wir jetzt losziehen und die ziehen los, dann verpassen wir uns nur.“
Es war wohl das Vernünftigste und so taten sie das, was Jungs eben so machten: Sie schmissen die Playstation an.
Die Kings waren runter zu ihrem Haus gegangen und Skye war wieder nach oben getappelt. Sie hätte sich gar keine Gedanken gemacht, wenn nicht die Snacks verschwunden wären. Also folgte sie ihrem Instinkt, der sie in das Fernsehzimmer führte und dort fand sie nicht nur Jungkook, sondern auch Jongin.
„Ah, da bist du. Wir dachten ihr wärt von Geistern gefressen worden.“
„Er dachte das nur“, kam es von Jungkook, der noch konzentriert am Zocken war.
„Ach so, du denkst ich wurde gefressen und anstatt nach mir zu suchen, klaust du die Snacks und zockst mit Kookie?“
„Er war der Meinung, dass Suchen eine blöde Idee wäre“, verteidigte er sich.
„Was machst du eigentlich hier?“
Bei dieser Frage fühlte Jungkook sich erst gar nicht angesprochen – wer wohnte hier, es wäre eine blöde Frage.
„Na du schläfst so schlecht alleine und … vielleicht brauchst du noch mal Hilfe.“
Nun gingen aber Kookies Alarmglocken an.
„Hey, denkt daran, dass hier noch andere Leute wohnen! Manche Leute wollen nachts schlafen!“
Skye und Jongin schauten verlegen auf dem Boden. Unangenehm, wenn der Jüngste im Haushalt zum Jimjilbang-Ajushi wurde.
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In dieser Nacht brauchte Skye keine ‚Hilfe‘, sie kuschelten nur und Taehyungs Worte hallten in ihrem Kopf wider. Ja, sie ging vertraut mit Jongin um, doch das lag auch daran, dass sie sich kannten. Das war eine Lüge, mit den meisten anderen würde sie nicht so kuscheln. Wem machte sie etwas vor? Der einzige, mit dem sie so kuscheln würde, war Taehyung – wenn sie nicht sauer auf ihn wäre.
Doch es war so einfach in Jongins Armen zu versinken und sich fallen zu lassen.
Am nächsten Morgen frühstückten sie zu dritt.
„Wann geht das heute Abend los?“
„Gegen 23 Uhr.“
Skye wurde zu alt für sowas.
„Das ist schon fast Schlafenszeit!“
„Sagt die, die keine Nacht vor 3 Uhr ins Bett geht“, kommentierte Jongin.
„Ja, weil immer so ein Quatsch ist, wie Halloween-Partys, die um 23 Uhr anfangen.“
„Manche müssen arbeiten“, kam es von der anderen Seite.
Skye schaute zwischen den beiden Kerlen hin und her, die verstanden sich viel zu gut!
Bis 23 Uhr war aber noch unendlich lange hin! Skye musste für Chens Überraschung nur noch ein bisschen was machen und dann gab sie online den Auftrag. Sie freute sich wie ein kleines Kind und hoffte eine ähnliche Begeisterung bei Chen hervorzurufen.
Gegen Mittag fuhr sie mit einem Taxi in die Akademie. Sie kannte Mia, sie würde nichts essen und sich irre machen, also brachte sie Essen mit, doch von Mia war weit und breit keine Spur. Dafür kam ihr Taeyong entgegen. Wenn man an den Teufel dachte …
„Hey, suchst du Mia?“
„Das war der Plan.“
„Sie ist schon in der Location und scheucht wohl Leute durch die Gegend. Ist das Essen?“
Sie schaute auf die Tüten und wieder zu ihm.
„Hast du Hunger?“
„Ich bin ein Mann im Wachstum – ich habe immer Hunger.“
„Du bist 24, ich glaube das mit dem Wachstum hat sich erledigt“, stellte sie fest und er grinste.
„Gut, dann bin ich ein Mann der hart trainiert – ich habe immer Hunger.“
„Fair enough.“
Sie beschlagnahmten Mias Büro, dass gerade ja nicht gebraucht wurde und verteilten das Essen auf dem Tisch.
„Ist bei dir alles gut? Ich habe dich so lange nicht gesehen.“
„Ja, mein Ego war etwas geknickt und wir hatten viel zu tun und du wohnst am Ende der Welt.“
„Aber am schönen Ende der Welt“, erwiderte sie grinsend.
„Du weißt, dass es nicht an dir gelegen hat? Der Abend mit dir war sehr schön gewesen, ich bin hier wohl das Problem.“
Wie so oft, aber sie wollte das klarstellen.
„Mach dir keine Sorgen, ich habe jemanden getroffen – es läuft gut.“
„Das freut mich!“
Es freute sie wirklich, alles andere wäre egoistisch. Taeyong war süß und frech und romantisch, es wäre schade, wenn er niemanden finden würde – und am besten jemand, der weniger kaputt war als sie.
„Also sind wir cool?“
„Ja, wir sind cool“, bestätigte er.
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Sie hatte heute einen Check Up im Krankenhaus wegen dem Fuß. Sie glaubte nicht, dass das normalerweise nötig war, aber sie war ja die ‚Chefin‘.
„Glückwunsch Frau Jones, Sie hören wohl auf mich und es scheint ganz gut zu heilen.“
Man konnte wohl auch gegenüber der Chefin sarkastisch sein.
„Aber jetzt nicht übermütig werden, das ist gerade mal eine Woche her. Drei Wochen halten Sie bitte noch etwas still.“
Ja, ja, war ja gut. Sie wollte ja selbst, dass es gescheit heilte.
Danach fuhr sie in die Fabrik. Wirklich, das Taxi Gefahre ging ihr auf den Keks. Drei Wochen noch. Sie krückte (ja, dieses Wort habe ich gerade erfunden) zum Super Junior Dorm. Dort waren Eunhyuk, Yesung und Ryeowook schon in Umhängen unterwegs. Irritiert schaute sie sich an, wie sie mit Zauberstäben ‚coole Moves‘ übten.
„Skye! Machst du dich noch nicht fertig?“, fragte Eunhyuk entgeistert. Sie schielte auf die Uhr. Es war gerade mal 15 Uhr. Um 20 Uhr würde Nalia kommen, um sie zu schminken.
„Die Party beginnt in 8 Stunden – weil ihr Idols so viel zu tun habt. Was stimmt also mit euch nicht?“
Die drei schauten sie geschockt an.
„Weißt du, wir sind nicht mehr die jungen Hüpfer, die von Show zu Show springen“, kam es von Yesung.
„Außer Jungsu“, wand Eunhyuk ein.
„Und Heechul“, fügte Ryeowook hinzu.
„Oder Kyuhyun“, kam es wieder von Eunhyuk und Yesung schaute seine beiden Kollegen genervt an, weil sie ihm so in den Rücken fielen.
„Aber ihr seht toll aus“, lobte Skye. Yesung und Eunhyuk waren in Hufflepuff, Ryeowook hatte es nach Ravenclaw geschafft. Sie nahm Eunhyuk den Zauberstab ab und bog ihn mit einem missbilligen Blick. Gummi. Einer ihrer Gärtner hatte ihr einen Zauberstab geschnitzt und er sah so cool aus!
„Hey, mach meinen Zauberstab nicht kaputt.“
Skye schaute in Richtung seines Schritts.
„Würde mir im Traum nicht einfallen.“
Die beiden anderen fingen an zu lachen, bis ihnen die Tränen liefen und Eunhyuk wurde so rot, dass er kein Kostüm bräuchte, um als Gryffindor durchzugehen.
Im EXO Pit hatten die Vorbereitungen noch nicht angefangen. Baekhyun, Suho und Chanyeol lagen verteilt im Dorm rum und schauten auf wie Lemminge, als Skye die Tür reinkam.
„Jongin ist nicht hier“, kam es von Bae und er schaute wieder auf sein Handy. Skye schmiss ein Kissen nach ihm und traf ihn am Kopf. Finster schaute er zu ihr.
„Vielleicht bin ich ja hier um dich, Mr Charming, zu sehen“, meinte sie, doch Chanyeol fing so herzlich an zu lachen, dass ihre Aussage alles andere als ernst genommen wurde.
Skye wusste, dass Bae gut mit Tae befreundet war und er zu seinem Freund stehen würde, auch wenn er eigentlich mit ihr Schluss gemacht hatte. Sie legte sich zu ihm auf die Couch, doch er zog die Augenbrauen zusammen.
„What? You don’t write, you don’t call…“
„Na ja du bist immer so beschäftigt. DIVAs, IDOLLs, gründest dein eigenes Label, gründest deine eigene Band, verlässt die Band, verlässt dein Label…“
Ja, das hatte sie verdient. Die vergangenen 3 Monate waren eine nie endende Achterbahn.
„Was machst du als nächstes? Gehst du zu YG und wirst das 5. Mitglied von Blackpink?“
„Nein, ich hatte eine Audition bei JYP.“
Blankes Entsetzen stand in seinem Gesicht, doch Skye fing an zu grinsen.
„Warst du genug gemein zu mir oder kommt da noch was?“
„Da kommt definitiv noch was“, kündigte er an und fing an zu grübeln.
Skye wartete und wartete und irgendwann schaute sie unsicher zu Suho.
„Er kann nicht, wenn einer zuguckt“, kommentierte der Bandleader, ohne wirklich aufzuschauen. Skye tätschelte Baekhyuns Schulter.
„Mach dir keine Sorgen, kann den besten mal passieren.“
Er schielte zu ihr rüber.
„Das ist nicht witzig.“
„Nein, wirklich nicht.“ Sie biss sich auf die Lippe, um nicht zu grinsen.
„Ich weiß gar nicht was du hast, für mich bist du die geborene Slytherin“, meinte Chanyeol.
„Hey! Das nimmst du sofort zurück!“
Nun fing Baekhyun an zu lachen.
Nach einer Stunde kam Jongin und schaute erstaunt, als er Skye im Pit bemerkte und grinste dann.
„Oh oh, was ist das für ein Grinsen?“
„Du beschwerst dich, wenn ich ständig zu dir komme, aber jetzt bis du hierhergekommen.“
„Ja, aber nicht wegen dir.“
Sie sah die Enttäuschung in seinem Gesicht.
„Also nicht NUR wegen dir“, verbesserte sie sich und er fing wieder an zu grinsen.
„Für alle, die dieser ganzen Sache nicht so ganz folgen können: Seid ihr wieder zusammen?“, fragte Suho.
„Wir arbeiten dran. Skye hat so eine dämliche Timeline gemacht, die auch ein Date mit Siwon beinhaltet.“
„Was?!“, kam es von Chanyeol.
„Er wollte eine Chance, er bekommt eine Chance“, erklärte Skye, die kurz davor stand daraus ein T-Shirt zu machen.
„Ich will auch eine Chance!“, meinte der Sänger und seine drei Bandkollegen rollten die Augen.
„Sei nicht albern“, meinte Skye nur lachend, hörte jedoch auf, als sie seinen ernsten Blick sah.
„Nein!“
„Wieso bekommt Siwon eine Chance und ich nicht?“
„Er hat was gut. Weil er damals Jongin geschlagen hat.“
Nun stand Jongin der Mund offen. Das war eine Information, die er so nicht kannte.
„Ich kann ihn auch schlagen!“, kam es von Chanyeol, der aufsprang, um sich auf Jongin zu stürzen, doch er wurde von Suho aufgehalten. Jongin war auch aufgesprungen, für den Fall, dass Chanyeol tatsächlich auf ihn losging.
„Ich verteile keine Dates mehr für Schlägereien“, stellte sie klar.
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Jongin fuhr sie nach Hause oder zumindest war das der Plan. Skye saß hinten, diesmal hatte er nicht den Lamborghini – da gab es kein ‚hinten‘ – genommen, sondern den Mercedes. Sie saß hinten, weil sie ja aktuell nicht zu zweit gesehen werden sollten. Irgendwann fiel ihr auf, dass er die Route änderte. Skye beschwerte sich nicht und wartete einfach, was er vorhatte.
Als er dann bei Mc Donalds in den Drive-In fuhr, grinste sie. So ein Kindskopf. Er bestellte zwei Cheeseburger, 20 Nuggets und zweimal Softeis. Er reichte ihr die Sachen nach hinten und fuhr einen Parkplatz unten am Hangang an und stellte sich in die hinterste Ecke, wo sonst niemand stand, bevor er über die Mittelkonsole nach hinten kletterte. Skye giggelte amüsiert.
„Soll mal einer sagen, dass wir nicht unauffällig sein können.“
„Pfff, wir können super unauffällig sein – ich will es nur nicht immer“, erwiderte er und nahm sich die Tüte, um die Nuggets und die Soßen zwischen ihnen aufzubauen.
„Seit 8 Jahre stehen wir jetzt in der Öffentlichkeit und ich verstehe, dass gewisse Dinge von uns erwartet werden und das ist okay, es ist das Leben, für das wir uns entschieden haben und ich liebe es. Ich liebe unsere Fans und ich liebe es auf der Bühne zu stehen, wir sind aber auch erwachsen geworden und es gibt machen Dinge, die Erwachsene machen -wie ausgehen, verlieben, heiraten und eine Familie gründen. Wenn unsere Fans dafür kein Verständnis haben, dann sind sie keine Fans. Ich hoffe, dass unsere Fans sich für uns freuen, wenn wir Liebe finden. Und manchmal verlieren wir Fans, dass ist okay. Auch unsere Fans ändern sich, vielleicht gefällt ihnen unsere Musik nicht mehr oder sie finden andere Idols, die sie lieber mögen. Manchmal liegt es nicht in unserer Hand, deswegen will ich Herr über die Dinge sein, die in meiner Hand liegen.“
Sie schaute ihn nachdenklich an.
„Es macht dir wirklich nichts aus Hunderttausende Follower zu verlieren, wenn das mit uns wieder öffentlich werden sollte?“
Er schüttelte energisch den Kopf.
„Nicht, wenn das bedeutet, dass ich mit dir Hand in Hand durch die Straßen gehen kann oder wenn wir in den Urlaub fahren können.“
Jongin wusste wahrscheinlich gar nicht, wie mutig er war – und dumm zugleich.
I need a man who thinks it right when it’s so wrong.
„Wenn im Mai nicht Krystal schwanger gewesen wäre, sondern ich, wie hättest du reagiert?“
Seine Augen wurden groß und sein ganzes Gesicht fing an zu strahlen.
„Habe ich dich in New York geschwängert?!“, fragte er begeistert.
„Nein!“ Skye lachte auf. Auf seinem Gesicht stand die Enttäuschung, aber eigentlich sagte seine Reaktion ihr alles, was sie wissen musste.
„Na ja, wenn ich ehrlich bin, hätte ich dich gerne noch etwas länger für mich gehabt. Nur wir zwei auf Hawaii, in Disneyworld, in Buenos Aires oder auf den Seychellen. Wir sind noch jung, wir haben alle Zeit der Welt. Andererseits ist es aber auch toll früh Kinder zu bekommen. Donghae war 25, als die Zwillinge kamen und ich bewundere sehr, was Mia und Donghae haben. Ich weiß, dass die meisten Beziehungen nicht so sind. Sie sind so eine Einheit und egal was passiert, sie haben immer einander. Sie sind eine Familie und das ist wichtiger, als alles andere.“
Na dann konnte man nur darauf hoffen, dass er bei Chen auch so verständnisvoll sein würde.
„Wie viele Kinder würdest du mal gerne haben?“, fragte er sie.
„Zwei“, erwiderte sie, ohne darüber nachzudenken. „Maximal drei.“
„Jungs oder Mädchen.“
„Mir egal, solange sie deine Haare haben.“
Jongin lachte fröhlich. Eben hatten sie es von hypothetischen Kindern und plötzlich waren es ihre hypothetischen Kinder. Skye merkte, was ihr das aus dem Mund gerutscht war und merkte, wie sie rot wurde.
„Skye, ich hatte viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe und ich weiß, dass ich an mir arbeiten muss, aber ich verspreche dir, dass ich geduldiger sein werde und dass ich dir vertraue.“
„Na ja, ich war auch nicht einfach.“
Irgendwann hatte sie gar nicht mehr gewusst, über was sie sich gestritten hatten, nur dass jeder im Recht sein wollte.
„Wir werden dieses Mal besser sein“, sagte er überzeugt, als würde es schon feststehen, dass sie wieder zusammenkommen würden.
~~~~~~~~~~~~~
Jongin fuhr sie nach Hause und fuhr zurück in die Stadt und Skye nutzte die Gunst der Stunde für ein Nickerchen. Sie war heute viel auf den Beinen gewesen und sie merkte das in ihrem Knöchel sehr deutlich. Ihr Arzt hatte gesagt, dass sie es nicht übertreiben durfte, doch sie konnte ja jetzt auch keine zwei Wochen nur auf der Couch liegen. Heute Abend würde sie auf jeden Fall eine Schmerztablette nehmen, denn sie befürchtete, dass es eine lange Nacht werden würde. Skye zog die Schiene aus und kühlte stattdessen. Wenn sie nicht umherirrte, war das wohl besser und der Knöchel war ziemlich geschwollen. Es war so dumm. Einmal falsch aufkommen und dann sowas.
Nalia kam um 20 Uhr. Skye hatte eine sehr genaue Vorstellung von ihrem Outfit.
„Bist du sicher, dass du das Thema richtig verstanden hast?“, fragte Nalia und schaute Skye skeptisch an.
„Es ist Halloween!“
„Es ist ne Hogwarts Party.“
„Ja, ich renne ja auch rum, wie ein Hogwarts Schüler … zu Halloween.“
Natürlich hatte Skye einen Schuluniform – das Hemd würde sie natürlich hochbinden und der grünkarierte Rock war vielleicht auch etwas kürzer. Sie hatte sogar eine Krawatte, die sie nur locker tragen würde, um die Bluse etwas aufknüpfen zu können. Doch es war eben auch Halloween und so hatte sie bereits schwarze Sclera Kontaktlinsen drin, die das Weiß der Augen fast komplett abdeckten. Es war ein riesiger Akt gewesen die reinzubekommen. Über eine halbe Stunde hatte Skye gebraucht, hatte sich Motivationsansprachen gehalten, hatte Atemübungen wie in einem Schwangerschaftskurs gemacht und hatte geweint. Vor allem hatte sie geweint. Aber jetzt saßen sie und es sah so cool aus!
Nalia sollte ihr eine ‚Nahtlinie‘ am Haaransatz malen, damit es so aussah, als hätte man die Haut dort abgetrennt und sie wollte ein Smile-Face, mit großen Wunden, die am Mundwinkel begannen.
Es ging doch nicht nur darum, als Hogwarts Schüler rumzurennen – oder doch?
Nalia zuckte mit den Schultern.
„Also ich mache das, aber ich glaube du verfehlst das Thema.“
„Die haben mein Haus verfehlt, da kann ich das Thema verfehlen.“
Und es wurde so epic! Nalia war so eine tolle Künstlerin. Skye blickte in dieses gruselige Gesicht und freute sich wie ein Honigkuchenpferd. Die Wunden an den Mundwinkeln hatte Nalia mit Silikon aufgebaut, damit eine richtige Textur entstanden.
„Also, kein wildes Rumgeknutsche, keine Burger, nichts, wo du den Mund zu weit aufreißen musst. Ich gebe dir ein Reparaturkit mit, falls sich etwas löst.“
Skye salutierte. Kein Rumgeknuschte – check.
„Was zur Hölle ist das?!“
Verwundert drehte sie sich zu Jungkook, der natürlich sein Slytherin Outfit anhatte, aber sich nicht geschminkt hatte.
„Mein Outfit“, erwiderte Skye unschuldig.
„Den Kostümwettbewerb gewinnst du auf jeden Fall.“
„Was für ein Wettbewerb, wenn ihr alle nur in Schuluniformen rumlauft?!“
Das ergab keinen Sinn.
Jungkook fuhr sich über den nicht existenten Bart.
„Was überlegst du?“
„Ob du hinten oder vorne sitzen solltest. Ich habe Angst, dass dich vorne jemand sehen könnte, aber wenn du hinten sitzt und ich schaue in den Rückspiegel, erschrecke ich mich zu Tode … ach, sollen die anderen sich erschrecken.“
Und so fuhren sie um kurz vor 23 Uhr los.